Evangelische Fachhochschule Berlin

Trinationaler Studierendenaustausch in der Sozialen Arbeit

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Aktiv gegen Rechtsextremismus und für Demokratie!

Studierende des Projekttags "Soziale Arbeit und Gesellschaft" aus dem Studiengang Soziale Arbeit und ihre Kommiliton*innen der Partnerhochschulen aus Krakau und Toulouse besuchten am 19. November 2019 verschiedene Einrichtungen, um sich mit den Profis aus der Praxis auszutauschen.

Die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) bietet im Studiengang Soziale Arbeit seit vielen Jahren einen Studierendenaustausch mit der Jagiellonen-Universität in Krakau und Erasme Toulouse an. Im Rahmen dieses Trinationalen Austauschs, der vom 17. bis zum 23. November 2019 stattfand, besuchten die Studierenden sechs Projekte in Berlin, um ein für die Soziale Arbeit wichtiges Thema zu diskutieren: die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in seinen unterschiedlichen Facetten und die Stärkung der Demokratie.

In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten haben sich in vielen europäischen Staaten neben dem traditionellen Rechtsextremismus zudem verstärkt rechtpopulistisch und nationalistisch orientierte Parteien und soziale Bewegungen etabliert. Eine Veränderung der politischen Kultur, aber auch des gesellschaftlichen Klimas ist erkennbar. In dieser Situation ergibt sich eine verschärfte Auseinandersetzung um Meinungsfreiheit, gesellschaftliche Pluralität und Minderheitenrechte. Die Vertreter*innen der Sozialen Arbeit stellen sich diesen Herausforderungen und nutzen die Woche, um sich über ihre Wertebasis, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und mögliche praktische Interventionen gegen rechts zu verständigen. Welchen Beitrag kann die Soziale Arbeit eigentlich hierzu leisten? Welche aktuellen Konzepte, Methoden und Projekte gibt es?

Die Veranstaltungen wurden konsekutiv ins Französische und Polnische übersetzt. Dabei gewannen die Teilnehmer*innen interessante Einblicke in die praktische Arbeit der sechs Projekte. Weitere spannende Programmpunkte folgten im Laufe der Woche, so z. B. ein Fachvortrag zum Thema „Gender und Rechtspopulismus“ von Prof. Dr. Esther Lehnert von der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) sowie ein Besuch des Jüdischen Museums Berlin.

Studierende beim Besuch von Crossroads, ein Projekt des Violence Prevention Netzwerk (VPN)

Besuch bei Crossroads (VPN) und ReachOut

Ein gutes Dutzend Studierende aus der trinationalen Gruppe war unter der Leitung von Professorin Julia Lepperhoff bei Crossroads, einem Projekt des Violence Prevention Network (VPN). VPN ist ein Verbund erfahrener Fachkräfte, die in der Deradikalisierung extremistisch motivierter Gewalttäter sowie der Extremismusprävention tätig sind. Dabei standen u. a. folgende Fragen im Fokus: Gibt es typische Radikalisierungsverläufe? Nach welchen fachlichen Standards erfolgen Deradikalisierung und Ausstiegsbegleitung? Was hat es mit dem Ansatz der Verantwortungspädagogik auf sich? Und schließlich: Gibt es eine Zusammenarbeit mit Projekten, die sich für die Opfer rechtsextremer Gewalt stark machen? Danach besuchte die Gruppe noch ReachOut, die Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Besuch der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) und der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke

Eine zweite Gruppe besuchte die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. (KIgA). Die KIgA ist ein Bildungsträger, der Konzepte und Materialien für die politische Bildung u. a. im Kontext von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus entwickelt und praktisch umsetzt. Darüber hinaus ist der Träger in internationalen Netzwerken und Kooperationen zum Thema engagiert. Nach einer Vorstellung der Ziele, Zielgruppen und ausgewählter Projekte wie z. B. Workshops in Schulen, einer Beratungsstelle für Schulen oder dem Peer Education Konzept durch den Direktor, Aycan Demirel, bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand am Nachmittag der Besuch des Projektes Licht-Blicke des Trägers pad gGmbH in Lichtenberg an. Die Fach- und Netzwerkstelle ist, so Marcel Diekmann, zuständiger Mitarbeiter für Projekte der Jugendpartizipation, Erstansprechpartner zu den Themen Rechtsextremismus/ -populismus, Rassismus u. ä. in Lichtenberg. Im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" setzen sie sich für ein demokratisches und diskriminierungsfreies Zusammenleben ein und fördern bürgerschaftliches Engagement.

Nach einer Darstellung der Arbeitsfelder des Projektes wie z. B. dem Lichtenberger Register, das rechtsextreme und diskriminierende Vorfälle im Bezirk dokumentiert, dem Arbeitskreis Stolpersteine und dem Runden Tisch Politische Bildung stellte Marcel Diekmann die gemeinwesenorientierte präventive Jugendarbeit am Beispiel eines Workshops dar, als deren Ergebnis die Jugendlichen Statements gegen Diskriminierung in Form von Stickern kreativ gestalteten.

Besuch des Trägers der Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung und bei Gangway e. V.

Eine dritte Gruppe Studierender besuchte unter der Leitung von Viktoria Richter die Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung Marzahn-Hellersdorf. Die Arbeit der Koordinierungsstelle ist sehr vielfältig. Es geht um Sensibilisierung für Rassismus und Diskriminierung, präventive Maßnahmen und Förderung von demokratischer Kultur. Hier werden Analysen über demokratiegefährdende Entwicklungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel ist es, aktuelle Problemlagen zu erkennen, Handlungsstrategien zu erarbeiten, um ein demokratisches Miteinander vor Ort zu stärken. Die Koordinierungsstelle ist ein wichtiger Pfeiler in Marzahn-Hellersdorf, der sich als Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft, Politik und sozialen Trägern versteht.

Im zweiten Teil konnte unsere Gruppe einen Besuch bei Gangway e.V. durchführen. Seit 1990 bietet Gangway Straßensozialarbeit in Berlin an und arbeitet mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in verschiedenen Teilen der Stadt. Auf Augenhöhe und als Gast dem Gegenüber ein Begegnungsangebot zu machen, ist ein erklärtes Ziel. Toleranz, Wertschätzung allen Kulturen gegenüber und soziale Integration zu fördern ein Weiteres. Die Streetworker*innen sehen durch ihre Arbeit auch Strömungen, die Haltungen, Werte und den Umgang miteinander zeigen. Hier können sie bereits präventiv ansetzen und neue Wege beschreiten. Gangway hat eine Vielzahl von Angeboten und dabei immer das Selbstbestimmungsrecht der Einzelnen im Blick.

Die beiden Besuche waren sehr interessant und gab einen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche, die dennoch miteinander verwoben sind. Die Gruppe war auch von den Standorten beeindruckt. Am Rand der Stadt ein Bezirk, der auf dem Reißbrett entstanden und zur damaligen Zeit eine begehrte Wohnlage war, und demgegenüber eine citynahe Einrichtung, im Hotspot von Berlin. Eine Sicht auf die Arbeit, die nur ein Schlaglicht ist von dem, was noch stattfindet. Vielen Dank an die Koordinierungsstelle und Gangway e.V.

Studierende und Lehrende des Trinationalen Austauschs vor dem Hauptgebäude der EHB am 20. November 2019

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