Erfahrungsberichte: Kürzere Aufenthalte
Studienfahrt nach Hanoi, Vietnam und Lahti/Helsinki, Finnland | SoSe 2026
Zwei Kulturen in einer Welt
Mit Hilfe der finanziellen Förderung durch die Programme Erasmus+ und Bridges konnten die Studierenden des Seminars „Soziale Arbeit mit internationaler Perspektive: Zwischen Übersetzung und Missverständnis – wie Fachkräfte transnationale Familien erreichen“ im Sommersemester 2026 an jeweils einer Studienreise teilnehmen. Sieben Studierende reisten nach Lahti und Helsinki in Finnland, zehn Studierende nach Hanoi/Vietnam. So unterschiedlich die beiden Reiseziele und die gewonnenen Eindrücke sind, konnte dank der Vorbereitung und intensiven Sitzungen zur Nachbereitung ein gemeinsamer Bezug zum Seminarziel, nämlich der Untersuchung von Bedarfen und Methoden für die Soziale Arbeit mit transnationalen Familien in Deutschland hergestellt werden. Im zweiten Teil des Vertiefungsprojekts im kommenden Wintersemester entwickeln die Studierenden eigenständig Forschungsprojekte zum Thema. Die beiden folgenden Reiseberichte vermitteln Reiseimpressionen der Teilnehmer:innen.
Finnland
22 Uhr. Die Sonne steht noch immer am Himmel. Gemeinsam sitzen wir – sieben Studierende der Sozialen Arbeit der Evangelischen Hochschule Berlin – mit Studierenden aus Finnland, Ungarn und Neubrandenburg auf einer Wiese in Lahti, spielen Werwolf und diskutieren über Soziale Arbeit, gesellschaftliche Verantwortung und politische Entwicklungen in Europa. Spätestens in diesem Moment wurde klar: Erasmus+ findet nicht nur in Vorlesungsräumen statt, sondern vor allem dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven aufeinandertreffen.
Vom 17. bis 22. Mai 2026 nahmen wir am Erasmus+-Blended Intensive Programme (BIP) an der LAB-University of Applied Sciences in Lahti teil. Im Mittelpunkt standen internationale Perspektiven auf Soziale Arbeit sowie der Austausch über soziale Unterstützungssysteme, Integration, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Besonders beeindruckt haben uns die Besuche des Lahti Family Centers und des Service Center Lahti. Dort wurde deutlich, wie niedrigschwellige, wohnortnahe und interdisziplinäre Unterstützungsangebote gestaltet werden können. Gleichzeitig zeigte der Austausch mit den internationalen Studierenden, dass viele soziale Herausforderungen länderübergreifend ähnlich sind – auch wenn die Wege zu ihrer Bewältigung unterschiedlich aussehen.
Mindestens genauso lehrreich waren jedoch die Erfahrungen abseits des offiziellen Programms. Oft waren es gerade die kleinen Begegnungen, die uns die finnische Kultur und ihre Werte näherbrachten.
Ein besonderes Highlight war der traditionelle Saunaabend direkt an einem See. Erst die intensive Hitze, dann der Sprung ins eiskalte Wasser. Was zunächst nach einer Mutprobe klang, wurde schnell zu einem Ritual aus Selbstfürsorge, Vertrauen und Gemeinschaft. Zwischen Dampf und See entstanden Gespräche, für die es keinen Seminarraum gebraucht hätte.
Auch im Alltag fielen uns Unterschiede auf. Pünktlichkeit wurde in Finnland mit einer Selbstverständlichkeit gelebt, die selbst unsere deutschen Maßstäbe übertraf. Gleichzeitig beeindruckte uns der respektvolle Umgang mit persönlichem Freiraum. Umarmungen zur Begrüßung waren eher die Ausnahme – nicht aus Distanz, sondern aus Wertschätzung für die Grenzen des Gegenübers.
Schmunzeln mussten wir immer wieder über die finnische Bescheidenheit. Obwohl nahezu alle Menschen hervorragend Englisch sprachen, entschuldigten sich viele zunächst für ihre Sprachkenntnisse. Unvergessen bleibt die Antwort einer Passantin, die auf unsere Frage nach dem Weg in perfektem Englisch lächelnd sagte: „I don't speak any English.“
Ein weiteres Markenzeichen der LAB-University waren die farbenfrohen Studierendenoveralls. Jede Fakultät trägt ihre eigene Farbe und zeigt sie mit Stolz. Die Studierenden der Sozialen Arbeit erkennt man an ihren orangefarbenen Overalls – eine Farbe, die uns sofort an die Berliner Stadtreinigung erinnerte. Hinter dieser Tradition steckt jedoch weit mehr als ein humorvoller Vergleich: Die Overalls schaffen Identität, stärken den Zusammenhalt und machen Hochschulkultur sichtbar.
Die langen finnischen Sommerabende boten schließlich den perfekten Rahmen für das, was Erasmus+ so besonders macht. Noch um 22 Uhr war es taghell, während wir gemeinsam Werwolf spielten, lachten und über Soziale Arbeit, Demokratie und gesellschaftliche Entwicklungen diskutierten. Aus zunächst lockeren Gesprächen entwickelten sich intensive Diskussionen, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Lebensrealitäten aufeinandertrafen. Gerade diese Begegnungen machten deutlich, dass Vielfalt keine Hürde, sondern eine Bereicherung für gemeinsames Lernen und professionelles Handeln darstellt.
Als Studierende der Sozialen Arbeit nehmen wir daher weit mehr mit als neue fachliche Impulse. Wir kehren mit einem geschärften Blick für unterschiedliche Lebensrealitäten und der Erkenntnis zurück, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt dort beginnt, wo Menschen einander offen begegnen. Transnationaler Austausch verbindet nicht nur Hochschulen, sondern schafft Verständnis, baut Vorurteile ab und eröffnet neue Perspektiven – genau darin liegt der besondere Wert von Erasmus+ .
Niklas Köhler, Joesphine Kurt
Vietnam
Im Rahmen unseres Vertiefungsprojekts „Soziale Arbeit mit internationaler Perspektive“ hatten wir die Möglichkeit zwei Wochen (ca. vom 30. Mai 2026 bis zum 14. Juni 2026) nach Hanoi, Vietnam zu reisen. Die knapp zwei Wochen vor Ort waren für uns voller neuer Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen, die weit über das eigentliche Studienprogramm hinausgingen. Unser Ziel war es, das Land Vietnam kennenzulernen und Erfahrungen für unser Vertiefungsprojekt zu sammeln, indem wir den Fokus auf Weltfamilien, kulturellen Austausch und Globalisierung legten. Hierfür bereiteten wir uns darauf vor, an verschiedenen Treffen bzw. Tagungen mit Universitäten und Organisationen teilzunehmen.
Vor dem Beginn unseres offiziellen Programms hatten wir Zeit, Hanoi auf unsere eigene Art und Weise kennenzulernen. Wir erkundeten gemeinsam unterschiedliche Viertel, probierten Streetfood, besuchten Märkte, entdeckten Cafés (Der Egg Coffee ist sehr zu empfehlen!) und beobachteten, wie der Alltag in der Stadt aussieht. Auch für unsere Gruppe war dies eine gute Gelegenheit, um schon in den ersten Tagen viele gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.
Im weiteren Verlauf der Reise stand vor allem der Austausch mit vietnamesischen Studierenden der Vietnam Japan University (VJU) in Hanoi und japanischen Studierenden der Ritsumeikan University in Shiga im Mittelpunkt. Dementsprechend leiteten Lehrende der (VNU) sowie Student:innen des Studiengangs Global Development and Innovation (GDI) uns durch ein spannendes und lehrreiches Programm. Wir nahmen für zwei Tage an der „2nd International Conference on Innovation and Sustainability (ICIS 2026)”in Hanoi und Thai Nguyen teil, welche besonders Globalisierung, Nachhaltigkeit und Dekolonisierung der Bildung im internationalen Kontext thematisierte. Während dieser Konferenz hatten wir die Möglichkeit, Präsentationen von Professor:innen aus verschiedenen Teilen der Welt zu hören und uns aktiv mit dem Stellen von Fragen zu den Themenbereichen einzubringen. Im Rahmen der Konferenz und des Austausches besuchten wir außerdem mit einigen Teilnehmenden verschiedene Dörfer von ethnischen Minderheiten sowie eine Grünteefarm. In den Dörfern lernten wir die Bedeutung des Community Based Tourism kennen, welcher dazu beiträgt, die lokale Kultur und die Umwelt zu schützen. Diese Besuche waren für uns besonders eindrücklich, da wir realisierten, wie bedeutsam ein enger Bund zu Familie und Gemeinschaft im Alltag dieser Menschen ist, die zu den vulnerabelsten Gruppen des Landes gehören.
Wir besuchten darüber hinaus Versammlungen an verschiedenen Hochschulstandorten, beispielsweise am Hoa Lac Campus. Diese zum Teil von den Studierenden organisierten Tage beinhalteten ein kulturelles Programm und Präsentationen zu global relevanten Themen wie Klimaschutz oder Arbeitskulturen. Wir hielten ebenfalls Präsentationen zu essenziellen Themen der Sozialen Arbeit in Deutschland wie Kinderarmut, Suchthilfe oder sozialen Ungleichheiten. Hier besaßen wir die Chance, den Teilnehmer:innen die Profession der Sozialen Arbeit näherzubringen. Während der Reise entstand zunehmend der Eindruck, dass das Verständnis der Sozialen Arbeit in Vietnam ein anderes ist als in Deutschland. Innerhalb dieser spannenden Konversationen konnten alle Beteiligten etwas Neues über die jeweils anderen Kulturen lernen.
Ein weiterer wichtiger Teil der Reise waren die Besuche bei verschiedenen NGOs. Bei diesen Treffen ging es um Themen wie Bildung, Nachhaltigkeit und soziale Teilhabe. Durch die Gespräche mit den Organisationen wurde für uns deutlich, wie wichtig es ist, sich bei internationalen Projekten über die Situation vor Ort und unterschiedliche Perspektiven auszutauschen. Besonders spannend war zu sehen, dass Themen wie Klimawandel, Bildung oder wirtschaftliche Entwicklung direkte Auswirkungen auf Familien und ganze Communities haben können. Für unser Vertiefungsprojekt haben wir daraus viele neue Gedanken mitgenommen.
Ein großes Highlight für uns war der Ausflug nach Ninh Binh. Die Landschaft ist beeindruckend und während der Bootsfahrt durch die Fluss- und Berglandschaften konnten wir eine ganz andere Seite Vietnams kennenlernen, die von Natur und Ruhe geprägt ist. In gemischten Studierendengruppen konnten wir einander besser kennenlernen und intensivere Kontakte knüpfen.
Diese Reise stellte für uns nicht nur eine Möglichkeit zum Austausch dar, sie half uns ebenfalls bei der Entwicklung unseres eigenen Kulturverständnisses im Umgang mit unterschiedlichen Traditionen und Lebensweisen. Diese Erfahrung war zudem äußerst prägend für unser Verständnis der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession. Insbesondere die persönlichen Gespräche und Zusammenkünfte mit Studierenden vor Ort halfen uns bei dieser Erkenntnis. Zum Ende nahmen wir nicht nur fachliche Eindrücke mit, sondern auch viele persönliche Erlebnisse. Die Zeit in Hanoi ist für uns eine unvergessliche Erfahrung.
Die Kommiliton:innen der VJU haben ihren Bericht auch schon veröffentlicht: https://vju.ac.vn/sinh-vien-quoc-te-hoc-vju-nhung-cau-noi-tre-giua-viet-nam-va-the-gioi/
Laura Koch, Fatmagül Kara
Blended Intensive Programme in Valence, Frankreich | SoSe 2026
Umweltbezogene Themen in der Sozialen Arbeit | 01. bis 05. Juni 2026
Im Juni 2026 trafen sich Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit aus Deutschland, Frankreich, Österreich und Spanien in Valence, Frankreich, zum Blended Intensive Programme (BIP) Environmental Issues in Social Work. Die Woche bot ein internationales Lernumfeld, in dem die Teilnehmenden die Zusammenhänge zwischen Umweltproblemen und der Praxis der Sozialen Arbeit untersuchten.
Durch Vorträge, Workshops, Diskussionen und Exkursionen setzten sich die Studierenden damit auseinander, wie Klimawandel und Umweltzerstörung insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen betreffen. Eine zentrale Erkenntnis, die in den internationalen Gruppen geteilt wurde, war, dass Umweltgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.
Klimabedingte Herausforderungen wie extreme Wetterereignisse, Wohnbedingungen, der Zugang zu Lebensmitteln und gesundheitliche Ungleichheiten wirken sich häufig besonders stark auf Menschen mit geringen Ressourcen aus.
Das Programm verband wissenschaftliches Lernen mit praktischen Erfahrungen. Die Teilnehmenden besuchten einen lokalen ökologischen Bauernhof, der ein vertrauensbasiertes Preissystem anwendet. Kund:innen zahlen dabei entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten. Dieses innovative Modell zeigte, wie nachhaltige Lebensmittelproduktion mit sozialer Teilhabe und einem gerechten Zugang zu gesunden Lebensmitteln verbunden werden kann. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch eines Gemeinschaftsgartens. Dort berichteten die Beteiligten, wie gemeinschaftliches Gärtnern das Wohlbefinden stärkt, soziale Teilhabe fördert und zum Aufbau von Gemeinschaft beiträgt.
Der internationale Austausch regte die Studierenden dazu an, ihre zukünftige Rolle als Sozialarbeiter:innen zu reflektieren. In den Diskussionen standen Fragen im Mittelpunkt, wie Umweltbewusstsein in die Praxis der Sozialen Arbeit integriert werden kann, ohne bereits benachteiligte Menschen zusätzlich zu belasten. Darüber hinaus verglichen die Teilnehmenden, wie umweltbezogene Soziale Arbeit in den verschiedenen Ländern thematisiert wird, und erkannten die Notwendigkeit, öko-soziale Perspektiven stärker in die Ausbildung der Sozialen Arbeit einzubinden.
Neben den fachlichen Inhalten förderte das Programm einen intensiven interkulturellen Austausch und die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Die Teilnehmenden schätzten die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und neue berufliche Netzwerke aufzubauen. Die Woche in Valence verdeutlichte die Bedeutung, soziale und ökologische Herausforderungen gemeinsam zu betrachten, und inspirierte die Teilnehmenden dazu, in ihrer zukünftigen beruflichen Praxis zu nachhaltigeren und sozial gerechteren Gemeinschaften beizutragen.
Studienfahrt nach Bordeaux, Frankreich | WS 2025/26
Studierende der Sozialen Arbeit erkundeten während einer Studienfahrt nach Bordeaux die Praxis sozialer Arbeit in Frankreich – von migrantischen Frauenprojekten über queere Einrichtungen bis hin zu beruflicher Integration. Ein bereichernder Blick über Grenzen hinweg.
Im Rahmen des Wahlmoduls 7.3 des Studiums der Sozialen Arbeit nahmen wir, Studierende aus dem fünften bis siebten Semester, an einer Studienreise nach Bordeaux teil. Thematisch stand die Internationale Soziale Arbeit im Mittelpunkt. Ziel war es, Einblicke in die sozialarbeiterische Praxis in Frankreich zu gewinnen und diese mit Strukturen und Ansätzen in Deutschland zu vergleichen.
Während der Reise besuchten wir unterschiedliche soziale Einrichtungen, die mit verschiedenen Zielgruppen arbeiten – darunter migrantische Frauen, queere Menschen, Menschen mit Flucht- und Armutserfahrungen sowie Personen mit Suchterkrankungen oder Gewalterfahrungen.
Einen besonderen Eindruck hinterließ der Besuch von Promofemmes, einem interkulturellen Zentrum für migrantische Frauen. Hier wurde deutlich, wie wichtig niedrigschwellige und empowernde Angebote für gesellschaftliche Teilhabe sind. Promofemmes arbeitet unabhängig vom Aufenthaltsstatus der Frauen und verfolgt einen ressourcenorientierten, säkularen Ansatz.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Einrichtungen der sozialen und beruflichen Integration, wie Insert’Net, einer staatlich geförderten Eingliederungsfirma. Die Kombination von Arbeit, Sprachförderung und Sozialberatung in einer Maßnahme verdeutlichte, wie ganzheitlich soziale Arbeit im internationalen Kontext gedacht werden kann.
Auch der Besuch queerer Einrichtungen (LeGirofad) sowie gesundheitsbezogener Angebote (CARUUD & POPPY von La Case) zeigte, dass Vernetzung, Schadensminderung und Akzeptanz zentrale Elemente der französischen Sozialarbeit sind.
Neben den Praxisbesuchen bot der deutsch-französische Austausch Raum für Reflexion über Unterschiede und Gemeinsamkeiten sozialer Auffangnetzwerke sowie professionelle Haltungen in der Sozialen Arbeit. Obwohl das volle Programm manchmal anspruchsvoll war, waren alle Einrichtungen, Fachkräfte und Gespräche äußerst bereichernd und eröffneten uns wertvolle internationale Perspektiven.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Reise unser Bewusstsein für die Bedeutung Sozialer Arbeit im europäischen Kontext vertieft hat. Wir konnten erkennen, dass soziale Probleme in Deutschland und Frankreich vergleichbar sind, die Herangehensweisen jedoch voneinander lernen lassen.
Und nicht zuletzt: Bordeaux selbst ist eine wunderschöne Stadt, die definitiv einen Besuch wert ist!
Autor:in: Annika Kögl
Blended Intensive Programme in Linz, Österreich | SoSe 2025
Vom 5. bis 9. Mai 2025 hatten wir die Gelegenheit, am interdisziplinären Intensivkurs im Rahmen des Austauschprogrammes Erasmus+ „Diversität und soziale Inklusion“ (DiSi) teilzunehmen. Gastgeberin war die FH Gesundheitsberufe Oberösterreich in Linz, eine eher kleine, aber sehr moderne Hochschule, deren Standort direkt an ein Krankenhaus angeschlossen ist.
Die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) war mit insgesamt vier Studierenden vertreten – aus den Studiengängen Soziale Arbeit (Paul), Kindheitspädagogik (Ida) sowie dem Master der Sozialen Arbeit in Beratung (Cornelia). Etwa drei Wochen vor Beginn des Programmes in Präsenz begann das BIP mit drei Onlinesitzungen. Wir lernten unsere Arbeitsgruppen kennen und konnten erste Impulse zu unseren Themen erarbeiten. Außerdem organisierten wir eigenständig unsere Unterkunft – eine Dachgeschosswohnung mit Terrasse – und buchten Zugverbindungen. Ich (Paul) reiste mit dem Nachtzug an und hatte noch einen freien Tag zur Orientierung in Linz, bevor das Programm begann.
Die Organisation vor Ort war sehr gut: Wir erhielten beim Empfang unsere Ausweisbändchen sowie Essensmarken, mit denen wir während der Woche kostenlos in der Mensa essen konnten. Ich (Ida) hatte mich beworben, weil mich das Thema und der interdisziplinäre Ansatz interessiert haben und ich meine fachlichen Kompetenzen in einem internationalen Rahmen stärken wollte. Der Start vor Ort war ein erstes offizielles Kennenlernen aller Teilnehmenden. Es war zunächst befremdlich, aber beim gemeinsamen Getränk und durch unsere Tutor*innen kamen wir ins Gespräch. Ab da entwickelte sich eine Woche voller Austausch, Inputs und Gruppenarbeit. Besonders bereichernd war der interdisziplinäre Austausch mit Teilnehmenden aus Ländern wie Irland, Österreich, Ungarn, Tschechien, der Türkei und anderen europäischen Staaten. Viele studierten Pflege, Physiotherapie oder Notfallmedizin, sodass spannende Perspektivenwechsel möglich waren.
Im Verlauf der Woche besuchten wir in Kleingruppen das KZ Mauthausen oder fachspezifische Einrichtungen – ich beispielsweise einen Kleiderverkauf des Österreichischen Roten Kreuzes. Auch in der Freizeit erkundeten wir gemeinsam die Stadt, unternahmen Spaziergänge, probierten Linzer Torte und besuchten ein Schloss in der Umgebung. Die Abende verbrachten wir oft mit Studierenden der Gasthochschule in geselliger Runde. Es entstanden schnell neue Kontakte und Freundschaften.
Unsere Projektarbeiten präsentierten wir am Ende der Woche nicht klassisch, sondern interaktiv – mit Spielen, Umfragen und kreativen Elementen. Der Abschied fiel schwer, denn die Zeit war zu kurz für alles, was möglich gewesen wäre. Ich blieb noch einen weiteren Tag, um Linz abseits des Programms zu erleben, bevor es mit dem Zug zurück nach Berlin ging (Cornelia).
Unsere Lebenshaltungskosten waren durch die Erasmus+-Förderung und kostenlose Mensa gut gedeckt. Es gab jedoch keine vegane Option in der Mensa Diese Tatsache wurde mit Essensgutscheinen für den hießigen Supermarkt gelöst, auch hier durften wir die österreichische Gastfreundschaft genießen. Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit war der Aufenthalt positiv – wir reisten mit dem Zug, erhielten ein Wochenticket für den Nahverkehr und konnten viele Wege zu Fuß zurücklegen.
Insgesamt bin ich sehr glücklich mit der Erfahrung. Sie hat mich persönlich bereichert, fachlich weitergebracht und neue Perspektiven eröffnet. Wenn ich nochmal die Chance bekomme, an einem ähnlichen Programm teilzunehmen, würde ich sie sofort ergreifen (Paul).