Internationaler Austausch

Internationaler Studienaustausch

Trinationaler Austausch im Studiengang Soziale Arbeit

Trinationaler Austausch

Studierende der EHB aus dem Studiengang Soziale Arbeit nehmen regelmäßig am trinationalen Austausch teil. Dieser vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderte Austausch findet bereits seit über 20 Jahren statt. Dabei empfangen die drei Kooperationspartner, ERASME Toulouse, Wesley College Budapest und die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) jeweils eine Delegation von Studierenden und Lehrenden an den jeweiligen Hochschulen, um sich mit einem bestimmten Thema der Sozialen Arbeit auseinanderzusetzen. 

„Budapest Woche“ vom 17. bis 23. Mai 2026

Vom 17. bis 22. Mai 2026 trafen sich Studierende der Sozialen Arbeit aus Ungarn, Frankreich und Deutschland zur dritten und letzten Phase des trinationalen Austausches in Budapest. Das Thema dieses Zyklus war „Geschlechtergerechtigkeit und Rechte von LGBTQI+-Personen“. Die Begegnung der drei Partnerhochschulen Erasme Toulouse, dem Wesley Collage in Budapesst und der Evangelischen Hochschule Berlin wird bereits seit über 20 Jahren von dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) gefördert, ohne das diese bedeutenden und lehrreichen Begegnungen nicht möglich wären.

Nach den den Treffen in Berlin und Toulouse waren die Gruppen bereits mit einander vertrau und freuten sich sehr auf das Wiedersehen in Budapest. Die Woche bot zahlreiche Gelegenheiten, die gesellschaftliche Situation von Mädchen, Frauen und LGBTQI+-Personen in Ungarn kennenzulernen und mit den Erfahrungen aus Frankreich und Deutschland zu vergleichen. Fachvorträge, Gespräche mit Praktiker*innen sowie Besuche bei verschiedenen Einrichtungen eröffneten Einblicke in die Herausforderungen, mit denen Betroffene konfrontiert sind, aber auch in die vielfältigen Unterstützungsangebote und das Engagement der Zivilgesellschaft.

Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen Begegnungen. Die Geschichte von Erika Renner, die von ihrem langen Einsatz für Gerechtigkeit und Schutz erzählte, bewegte viele Teilnehmende nachhaltig. Auch die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Entwicklungen in Ungarn und deren Auswirkungen auf soziale Arbeit, Menschenrechte und gesellschaftliche Teilhabe führte zu intensiven Gesprächen weit über die offiziellen Programmpunkte hinaus.

Neben den fachlichen Inhalten spielte das gemeinsame Erleben eine wichtige Rolle. Bei Sprachanimationen, der Stadterkundung, gemeinsamen Abendaktivitäten und dem Spezialitätenabend entstanden zahlreiche Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Perspektiven kennenzulernen und bestehende Sprachbarrieren zu überwinden. Budapest selbst wurde dabei zu einem Lernort: Die Stadt, ihre Geschichte und ihre kulturelle Vielfalt prägten die Begegnung ebenso wie die inhaltlichen Programmpunkte.

Zum Abschluss wurde deutlich, dass die Woche weit mehr hinterlassen hatte als neues Fachwissen. Die Teilnehmenden nahmen neue Perspektiven auf gesellschaftliche Vielfalt, vertiefte Kenntnisse über die sozialen Systeme der drei Länder und viele gemeinsame Erfahrungen mit nach Hause. Vor allem aber waren im Verlauf der drei Projektphasen Beziehungen entstanden, die von gegenseitigem Vertrauen, Offenheit und Respekt geprägt waren. Gerade diese Verbindungen machen den besonderen Wert des Austauschs aus und zeigen, wie wichtig persönliche Begegnungen für ein gemeinsames europäisches Verständnis sind.

Die letzte Phase in Budapest bildete damit einen gelungenen Abschluss des aktuellen Zyklus. Mit großer Freude blickt das Team der drei Hochschulen bereits dem nächsten Zyklus entgegen. Dieser wird im November 2027 nach einem Jahr Pause, die zur inhaltlichen Überarbeitung und Neuausrichtung dient, stattfinden.

Sechs Tage Budapest, sechs Tage Hoffnung, sechs Tage Inspiration. Persönlicher Rückblick von Bastian Achtel

Freitag der 22. Mai. Ich sitze bereits im Zug von Budapest nach Wien. Die Studierenden der drei Länder treffen sich heute Abend noch zum gemeinsamen Pizzaessen und wahrscheinlich zu anschließenden Barbesuchen. Die dritte Phase des vom DFJW finanzierten trinationalen Austauschs zwischen dem Wesley College Budapest, Erasme Toulouse und der Evangelischen Hochschule Berlin neigt sich dem Ende. Währenddessen schreibe ich diesen Artikel, um etwas von der politischen Stimmung und der Hoffnung im Land wiederzugeben und darüber hinaus vielleicht auch, um ein wenig meines Pathos zu transportieren.

Ich bin bereits vor mehr als zehn Jahren als Studierender einige Male mit dem trinationalen Austausch und nun schon seit vier Jahren als Lehrender beim Wesley College zu Besuch gewesen. Immer wieder wurde uns von der schwierigen politischen Lage, Menschenrechtsverletzungen und einer Propaganda des Hasses berichtet. Die Fidesz-Partei um Viktor Orbán hat vier Legislaturperioden regiert. 16 Jahre, in denen demokratische Institutionen ausgehöhlt und die Gewaltenteilung geschwächt wurden. 16 Jahre, in denen ein System der Korruption und politischer Loyalitäten aufrechterhalten wurde. 16 Jahre, in denen gesellschaftliche Konflikte durch Hassrhetorik und Propaganda weiter verschärft wurden. Diese Politik ging an dem Land und vor allem an seinen vulnerabelsten Gruppen nicht spurlos vorüber. Sozialarbeitende konnten nur unter schwersten und erdrückenden Bedingungen versuchen, das Notwendigste zu tun. Immer wieder wurde uns auch von dem politischen Druck berichtet, unter dem das Wesley College, die dazugehörige Kongregation und deren soziale Einrichtungen standen, weil sie es wagten, die Missstände anzuprangern.

Als ich dort als Studierender zum ersten Mal etwas von diesen Entwicklungen mitbekam, war ich naiv. Ich dachte, dass so etwas in westeuropäischen Staaten nicht passieren würde, dass Ungarn ein Einzelbeispiel sei. Doch seitdem hatte das Modell Orbán weit über Ungarn hinaus Wirkung entfaltet. Trump, Modi, Erdoğan, Netanyahu, Kaczyński, Bolsonaro – sie und andere griffen zunehmend auf politische Strategien zurück, die in Ungarn bereits einige Jahre zuvor erfolgreich erprobt worden waren. Sie versuchten unterschiedlich erfolgreich, Polarisierung, die Schwächung demokratischer Institutionen und nationalistische Mobilisierung politisch zu nutzen. Ich begann zu verstehen, dass Ungarn kein Einzelfall war, sondern dass das Erstarken rassistischer Erzählungen sowie das Aushöhlen von Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit Symptome eines komplexeren globalen Prozesses sind. Dieser Prozess lässt sich auch in Deutschland durch eine zunehmend erstarkende AfD spüren. In mir erwuchs der beklemmende Eindruck, dass wir global in eine Phase von Faschismus und Konflikt schlitterten.

Einer unserer Kollegen vom Erasme Toulouse postulierte im letzten Jahr während eines Vortrags: „Da gehen wir gerade rein! Aber da werden wir auch wieder rausgehen!“ Ich mochte den Gedanken und trage ihn seitdem als Hoffnungsschimmer mit mir – wenn auch als einen vagen Hoffnungsschimmer, der nicht notwendigerweise auf einem soliden theoretischen Fundament steht. Denn bei all der Hoffnung blieben für mich einige Fragen offen: Wie lange wird es dauern? Wer wird da wieder rausgehen und wer wird auf der Strecke bleiben? Und vor allem: Was kann in der Zwischenzeit getan werden?

Das bemerkenswerte Durchhaltevermögen und die Solidarität unserer ungarischen Kolleg:innen waren für mich schon als Student eine Antwort auf die Frage nach den Handlungsmöglichkeiten. Wir begegneten Lehrenden und Sozialarbeitenden, die in Ungarn unter schwersten Bedingungen und mit unzureichenden Gehältern und Mitteln ihr Bestes geben. Beispielhaft setzten sie sich für den Erhalt demokratischer Institutionen ein, versuchten, Menschen zusammenzubringen und Brücken zu bauen. Sie haben nie aufgehört, daran zu glauben, dass ihre Arbeit etwas bewirken kann, obwohl die Situation zumindest auf mich oft so ausweglos wirkte.

Ich habe erlebt, wie Sozialarbeitende vor Ort trotz Repression, Kriminalisierung und Diffamierung an dieser Haltung festgehalten haben. Das waren immer wieder politisierende Erfahrungen, die uns die Bedeutung internationaler Solidarität vor Augen geführt haben. Immer wieder sind wir mit den Koffern voll Respekt und Inspiration nach Hause zurückgekehrt.

Doch diesmal war etwas anders. Diesmal verlassen die Studierenden, diesmal verlasse ich Ungarn mit etwas anderem in unserem Gepäck:

Am 12. April hat das ungarische Volk die Orbán-Regierung abgewählt. Wir waren neugierig und zugleich auch skeptisch, da der Regierungswechsel zwar viel versprechend ist aber auch die TISZA-Partei nicht gerade für progressive werte steht. Vor allem aber waren wir gespannt, nach Budapest zu reisen und etwas von dem Gefühl eines historischen Moments miterleben zu dürfen. Ich hatte die Bilder gesehen von den Menschen auf den Straßen, den Millionen von Lichtern. Nun durfte ich sechs Tage lang Menschen begegnen, die dieses Leuchten weitertragen, die auf der Straße waren und gejubelt haben, die langsam ihren Glauben in demokratische Institutionen zurückgewinnen und uns daran teilhaben ließen. Ich traf auf Kolleg:innen, die 16 Jahre ausgehalten, gekämpft und nicht aufgegeben haben, und wurde zum ersten Mal mit den Worten begrüßt: „Ihr kommt zu einem guten Zeitpunkt.“ Jeder Vortrag, jedes Gespräch und jeder Praxisbesuch strahlte eine bodenständige und gleichermaßen ergreifende Hoffnung aus.

Eine Kollegin erzählte von einem Wahlversprechen Péter Magyars. Er wolle Ministerpräsident aller Ungarn sein und die Gräben zwischen verschiedenen Teilen der Bevölkerung schließen. Sie sagte:

„Wenn er nur dieses Versprechen hält und keines der anderen, dann hat er schon meinen Segen.“ Wir waren uns einig, dass das vermutlich das Versprechen sein wird, das am schwersten zu verwirklichen ist. Das Gespräch war frei von übersteigerter Euphorie. Gerade deshalb blieb mir das Gespräch in Erinnerung. Während vielerorts vor allem Euphorie zu spüren war, gehörte sie zu den wenigen Menschen, die Hoffnung und Skepsis zugleich ausdrückten. Mir geht es ähnlich. Ich sehe Péter Magyar, der schließlich auch aus dem System Orbán und der Fidesz-Partei hervorgegangen ist, nicht unkritisch. Ich denke, dass trotz der gegenwärtigen Euphorie doch auch viele ein Bewusstsein dafür haben, dass jetzt viel passieren muss, dass viel Arbeit vor der Regierung, aber auch vor dem Land liegt. Gleichzeitig waren die Menschen auch davon überzeugt, dass Veränderung möglich ist und dass das Ende der Orbán-Regierung einen politischen Neuanfang möglich macht.

Es gibt auch bereits erste Zeichen, dass die Hoffnung nicht ganz unbegründet zu sein scheint. Sowohl auf symbolischer als auch auf praktischer Ebene ist in der kurzen Zeit seit der Wahl schon einiges passiert. Beispielsweise hat eine Gruppe von Kindern aus der Roma-Community die Hymne der Roma zum Amtsantritt des Ministerpräsidenten gespielt. Dies ist ein bedeutendes Symbol für ein Land, das 16 Jahre Hetze gegen Minderheiten erlebt hat und in dem schon vorher Anti-Roma-Rassismus weit verbreitet war. Auch hat die neue Regierung direkt nach dem Amtsantritt die Verhandlungen mit der EU wieder aufgenommen und wird sich wahrscheinlich bald auch der Europäischen Staatsanwaltschaft anschließen. Das wäre ein bedeutender Schritt, um wie versprochen Korruption zu bekämpfen und die Verfehlungen der letzten Legislaturperioden aufzuarbeiten.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Regierung ihre Versprechen oder zumindest Teile davon halten wird. Sollte Ungarn nun tatsächlich auf dem Weg zurück zu Rechtsstaatlichkeit und funktionierenden demokratischen Institutionen voranschreiten, dann hätte das für mich eine Bedeutung, die weit über die Grenzen des Landes hinausgeht. Vielleicht wird dann zumindest langsam ein Ende dieser globalen Phase absehbar.

In der Zwischenzeit werden wir Brücken bauen. Wir werden darum kämpfen, möglichst niemanden zurückzulassen. Wir werden durchhalten müssen. Doch all das wird so viel leichter, wenn wir wissen, dass ein Ende in Sicht ist und unsere Arbeit etwas bewirkt.

Ja, bei all dem Pathos und trotz berechtigter Skepsis habe ich diesmal vor allem Hoffnung und Dankbarkeit in meinem Gepäck. Nächster Halt: Wien.

Förderung

LOGO OFAJ/DFJW
© OFAJ/DFJW
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Das Projekt wurde gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). 
Das DFJW ist eine internationale Organisation im Dienst der deutsch-französischen Zusammenarbeit mit Standorten in Paris und Berlin und einer Außenstelle in Saarbrücken. Seit 1963 ermöglicht das DFJW Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Deutschland und Frankreich die Teilnahme an Austauschen, Fortbildungen und Mobilitätsprogrammen. Im Mittelpunkt stehen dabei  Begegnung und interkulturelles Lernen, das stets intensiv erlebt und begleitet werden soll.

Impressionen der Woche in Budapest im Mai 2026

Ihre Ansprechperson

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Tanja Reith, M.A.

Position Referentin für Internationales, Stabsstelle

Arbeitsbereich(e) Internationales / International Office

Telefon +49 (0) 30 845 82 135

E-Mail tanja.reith@eh-berlin.de

Büro E-Gebäude, Raum E 116

Sprechzeiten Termine nach Vereinbarung.

© EHB, privat

Prof. Dr. Julia Lepperhoff

Position Professur für Sozialpolitik, Leitung Kompetenzteam "Frühe Bildung in der Familie"

Arbeitsbereich(e) Kompetenzteam "Frühe Bildung in der Familie"

Telefon +49 (0) 30 585 985 620

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