Interaktionsqualität zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund in deutschen Kindertageseinrichtungen (InterPaedKi)
Ausgangspunkt und Fokus
Es ist anzunehmen, dass Familien mit Fluchtmigrationshintergrund (Zehbe, 2025) in der Interaktion mit ihren Kindern ihnen bekannte Sozialisations- und Erziehungsstrategien nutzen, insbesondere im Hinblick auf Autonomie und Verbundenheit (Borke & Keller, 2014). Unterscheiden sich die familialen Strategien von denen, die pädagogische Fachkräfte in deutschen Kindertageseinrichtungen praktizieren, kann es für die Kinder zu Irritationen kommen. Im Fokus des Projekts steht dementsprechend die kultursensible Erforschung und Steigerung der Passung zwischen Interaktionsangeboten pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und den Bedarfen und Erwartungen von Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund an die Interaktion mit Erwachsenen. Kultur wird dabei über geteilte Deutungsmuster und Verhaltensweisen bestimmt und als an Kontexte gebunden betrachtet, die auch das soziale Milieu betreffen; dazu gehören auch Sozialisationsziele und Erziehungspraktiken (Borke & Keller, 2014). Außerdem sollen migrationsrechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen identifiziert werden, die das Gelingen der Interaktion zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund beeinflussen.
Das Forschungsprojekt untersucht Fragen auf drei Ebenen.
Forschungsebene 1: Analyse der Interaktionsqualität (Mikroebene)
Forschungsfrage: Wie stellt sich die Interaktionsqualität zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund aus der Perspektive der pädagogischen Fachkräfte und aus kindlicher Perspektive dar?
Zur Beantwortung dieser Frage werden zielkindfokussierte, teilnehmende Videobeobachtungen von Standardsituationen im pädagogischen Alltag der Kindertageseinrichtung (Ankommen, Essen, pädagogische Angebote) (Lamnek, 2010) erhoben. Analysiert werden diese Situationen in Hinblick auf die Passung zwischen den Interaktionsangeboten pädagogischer Fachkräfte und den Reaktionen darauf von Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund, dies sowohl quantitativ mit Hilfe von zu erarbeitenden Items in Anlehnung an die KES-3 und den Nationalen Kriterienkatalog (Faas & Kluczniok, 2023; Tietze & Viernickel, 2016) sowie an das Verfahren zur systematischen Beobachtung kindlichen Wohlbefindens im Eingewöhnungsprozess (Viernickel & Richter, 2026) als auch qualitativ mittels multimodaler, sequenzieller (Naujok, 2012) key incident-Analysen (Kroon & Sturm, 2002).
Forschungsebene 2: Analyse der Orientierungsqualität (Mesoebene)
Forschungsfrage: Welche pädagogischen Orientierungen lassen sich aus verschiedenen (Beteiligten-)Perspektiven identifizieren?
Zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage werden narrative Interviews (Lamnek, 2010) mit pädagogischen Fachkräften mit und ohne Migrationshintergrund zu kulturellen Modellen, Sozialisationszielen sowie Erziehungspraktiken in der Arbeit mit Kindern aus unterschiedlich orientierten Familien erhoben und in Anlehnung an die Reflexive Grounded Theory (Breuer, Muckel & Dieris, 2019) qualitativ ausgewertet. Entlang der Achse „Eigene biografische Sozialisationserfahrungen“ (Kontext), „Bedeutung von Autonomie und Verbundenheit für die kindliche Entwicklung“ (Bedingungen), „Sozialisationsziele für Kinder“ (Strategie) und „Verhaltensstrategien pädagogischer Fachkräfte zum Erreichen der Sozialisationsziele“ (Konsequenz) sollen Verbindungsgeflechte aufgezeigt und unterschiedliche Orientierungsmuster entlang der Kernkategorie „Pädagogische Orientierung“ voneinander abgegrenzt werden.
Forschungsebene 3: Analyse der strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen (Exo- und Makroebene)
Forschungsfrage: Welche strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind für das Gelingen von Interaktionen zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund bedeutsam?
Auf der dritten Forschungsebene werden zum einen Gruppendiskussionen (Lamnek, 2010) mit pädagogischen Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen zu den strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen durchgeführt und in Anlehnung an die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse (Kuckartz & Rädiker, 2024) analysiert. Dabei geht es um Identifikation, Vergleich und Kontrastierung von Meinungsbildern zum Einfluss von Rahmenbedingungen auf die Interaktion mit Kindern aus Familien mit Fluchtmigrationshintergrund; berücksichtigt werden hier u. a. Gruppengröße und ‑zusammensetzung, Fachkraft-Kind-Schlüssel, mittelbare pädagogische Arbeitszeit, Fort- und Weiterbildung, räumliche Ausstattung, Konzeption sowie Unterstützung durch Leitung und Träger.
Außerdem wird auf Forschungsebene 3 eine normative Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Betreuung von Familien mit Fluchtmigrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen in Form eines Rechtsgutachtens erarbeitet. In diesem Zusammenhang wird insbesondere die Schnittstelle zwischen den aktuellen migrationsrechtlichen Rahmenbedingungen und den kinderrechtlichen Regelungen, insbesondere denen des Kinder- und Jugendhilferechts fokussiert. Es erfolgt eine Rechtsdogmatische Analyse: Untersuchung der migrationsrechtlichen Situation von Familien nach der GEAS-Reform anhand der Normenhierarchie, der Umsetzung ins nationale Recht und unter Berücksichtigung menschenrechtlicher Vorgaben; zugleich wird das Spannungsfeld zwischen Kinderrechten, Kinder- und Jugendhilferecht sowie europäischem und nationalem Migrationsrecht im Hinblick auf die Strukturqualität herausgearbeitet.
Transferziel und ‑mittel
Für den Transfer der Forschungsergebnisse werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen und Praxisleitfäden entwickelt sowie Weiterbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte konzipiert. Die Ergebnisse sollen dadurch für die pädagogische Praxis nutzbar gemacht und zugleich für politische Entscheidungsträger:innen in administrativen und legislativen Prozessen aufbereitet werden. Ziel ist es, auf diese Weise zur Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis sowie zur Gestaltung geeigneter struktureller und rechtlicher Rahmenbedingungen beizutragen.
Projektleitung
Laufzeit
Förderung
Ihre Ansprechperson

Prof. Dr. Petra Völkel
Position Professur für Kindheitspädagogik und Entwicklungspsychologie | Studiengangsleitung: Bachelorstudiengang Kindheitspädagogik
Telefon +49 (0) 30 845 82 285
E-Mail petra.voelkel@eh-berlin.de
Büro D 107, D-Gebäude
Sprechzeiten Nach Vereinbarung

Prof. Dr. Natascha Naujok
Position Professur für Sprache und Kommunikation
Telefon +49 (0) 30 845 82 246
E-Mail natascha.naujok@eh-berlin.de
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Sprechzeiten nach Vereinbarung

Prof. Marion Hundt
Position Professur für Öffentliches Recht
Telefon +49 (0) 30 845 82 252
E-Mail marion.hundt@eh-berlin.de
Büro D 108, D-Gebäude
Sprechzeiten Nach Vereinbarung