20 Jahre ehb.forscht: Aus studentischer Forschung werden Impulse für die Gesellschaft
Forschung beginnt schon im Studium: Zum 20-jährigen Bestehen von ehb.forscht hat die EHB am 3. November 2026 herausragende Bachelor- und Masterarbeiten ausgezeichnet. Den Gräfin von der Schulenburg-Preis erhielt Abubakar Ali Gaal für seine Arbeit zum Hitzeschutz in der Pflege, die Dietmar Freier-Auslobung ging an Luisa Bonkowski.

Am 3. November 2026 war die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) Gastgeberin der Veranstaltung „ehb.forscht“, bei der Studierende, Lehrende und Gäste zum 20-jährigen Bestehen zusammenkamen, um herausragende Abschlussarbeiten und das forschungsorientierte Profil der Hochschule zu feiern. Unter dem Motto „Forschung beginnt schon im Studium“ wurden der Gräfin von der Schulenburg-Preis für exzellente Bachelorarbeiten und die Dietmar Freier Auslobung für besondere Masterarbeiten verliehen. Insgesamt waren elf Arbeiten nominiert. Zudem wurde der DAAD-Preis für internationale Studierende vergeben.
Begrüßung
Die Moderation übernahm Prof. Dr. Michael Komorek, 1. Vizepräsident der EHB, der gut gelaunt durch die Veranstaltung führte.
Der Präsident der EHB, Prof. Dr. Sebastian Schröer-Werner, hob in seiner Begrüßungsrede zunächst das Engagement der Dietmar Freier Stiftung hervor. Die Stiftung ist in den Bereichen Stipendienvergabe, Auslobung und individuelle Förderung aktiv und kooperiert seit vielen Jahren eng mit der EHB.
„Die Bedeutung von Forschung kann inzwischen gar nicht genug betont werden,“ sagte Schröer-Werner aus tiefster Überzeugung. „Werte wie die Bewahrung der Schöpfung, die Mitgestaltung des Sozialen, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit seien für die EHB grundlegend. Dabei dürfen Begriffe wie Inklusion, Partizipation, Emanzipation nicht nur als analytische Kategorien verstanden werden.” Um diesem Anspruch gerecht zu werden, so Schröer-Werner weiter, brauche es Wissen über Strukturen, Lebenswelten und Wirksamkeiten, und dafür sei Forschung zwingend nötig.
Hitzeschutz in der stationären pflegerischen Versorgung
Der Gräfin von der Schulenburg-Preis 2026 ging an Abubakar Ali Gaal aus dem Bachelorstudiengang Bachelor of Nursing. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit dem Hitzeschutz in der stationären Versorgung, einem pflegerisch, gesellschaftlich und politisch hochrelevanten Thema: Ältere Menschen und weitere vulnerable Gruppen sind überdurchschnittlich von Hitze betroffen. Der Sommer 2026 hat das deutlich gezeigt: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben bis Mitte September rund 16.000 Menschen in Deutschland an den Folgen hoher Temperaturen.
Ausgangspunkt seiner Arbeit war die Frage, ob Hitzeschutz in der Akutversorgung tatsächlich oft nur eine intuitive Einzelleistung engagierter Kolleg:innen ist oder ob dieser Eindruck täuscht. Dafür führte er eine deskriptiv-explorative Querschnittsstudie durch und befragte online 173 Pflegefachpersonen aus deutschen Akutkrankenhäusern. Die Ergebnisse zeigen: Das Problembewusstsein ist hoch, und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist ausgeprägt. Die strukturellen Voraussetzungen halten dieser Bereitschaft allerdings nicht stand.
In ihrer Laudation hob die betreuende Dozentin, Prof.in Dr. Cornelia Heinze, Professorin für Pflegewissenschaft und Hitzeexpertin, besonders den Quereinstieg von Abubakar Ali Gaal aus der Pflegepraxis an die Hochschule hervor. Seine Neugier und die immer neuen Fragen und Gedanken, die er in die Diskussionen eingebracht habe, hätten die Auseinandersetzung mit ihm sehr spannend gemacht. Seine Thesis sei fundiert und vorbildhaft, seine akribische Vorarbeit bewundernswert. Die Verbindung von Praxiserfahrung aus dem Pflegeberuf und sein Interesse für Gesundheitspolitik sei vielversprechend. Sie schloss die Ansprache mit den besten Wünschen für seine berufliche Zukunft ab.
Aus der Arbeit ist bereits ein Fachartikel hervorgegangen: Gemeinsam mit Cornelia Heinze veröffentlichte Abubakar Ali Gaal „Hitzeschutz in der Akutpflege: Ethos und Systemversagen“ in der PflegeZeitschrift (2026, 79. Jahrgang, Heft 7, S. 60–63). Cornelia Heinze war im Sommer auch Interviewpartnerin in der Podcastfolge „Hitze, Stadt, Pflege – wie gut sind wir vorbereitet?“ von „Gemeinsam weiterdenken hoch6“, dem Wissenschaftspodcast der Berliner Hochschulen für angewandte Wissenschaften. (Link zur Folge siehe Links unten.)
Weitere Nominierte für den Gräfin von der Schulenburg-Preis waren Helene Kühl (Evangelische Religionspädagogik & Diakonik), Josephine Kelch (Hebammenwissenschaft), Simon Strauß (Soziale Arbeit) und Annika Tomowski (Kindheitspädagogik).
Lived Experience psychisch erkrankter Sozialarbeiter:innen im Spannungsfeld von Offenlegung und Stigma
Den ersten Preis der Dietmar Freier-Auslobung erhielt Luisa Bonkowski aus dem Masterstudiengang Beratung in der Sozialen Arbeit. Ihre Masterarbeit beleuchtet, wie psychisch erkrankte Sozialarbeiter:innen ihre Erkrankung im Berufsalltag erleben und wie sie entscheiden, ob sie diese offenlegen. Auf Grundlage qualitativer Interviews mit sechs Fachkräften zeigt sie, dass die Offenlegung als fortlaufender Entscheidungsprozess zwischen drohender Stigmatisierung und dem Wunsch nach authentischer Beziehung erlebt wird. Damit trägt die Arbeit zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen im Arbeitsumfeld bei und diskutiert Lived Experience als professionelle Ressource.
Die Jury hatte bereits am 28. Oktober getagt. Alle eingereichten Arbeiten seien hervorragend gewesen, den Ausschlag habe das wissenschaftliche Poster gegeben, das bei der Veranstaltung ausgestellt war. Laudatorin Prof.in Dr. Dietrun Lübeck beschrieb Luisa Bonkowski als kritische Studentin, die viel nachfrage. Sie startete 2023 in den Masterstudiengang, studierte berufsbegleitend und bringt große Erfahrung in der Arbeit mit Erwachsenen mit.
Die beiden zweiten Preise gingen an Eva-Maria Corsten (Master Beratung in der Sozialen Arbeit) und Lotta Eckert (Master Leitung – Bildung – Diversität).
Weitere Auszeichnungen und besondere Würdigungen
Beata Wiatr aus dem Masterstudiengang Leitung – Bildung – Diversität erhielt den DAAD-Preis für herausragende internationale Studierende. Martin Leutner, Referent für Internationales, hob in seiner Würdigung ihr soziales und hochschulisches Engagement hervor. Sie ist unter anderem als studentische Mitarbeiterin im Career Service als Job-Coach tätig und hat außerhalb der Hochschule in Weißensee ein Demenzcafé eröffnet. In ihrer Dankesrede bedankte sich Beata Wiatr insbesondere bei ihren Kommiliton:innen, die sie auch bei ihren Ideen und Projekten unterstützt haben.
Atmosphäre
In der Pause begutachteten die Gäste im Foyer mit großem Interesse die ausgestellten Poster. Bei Kaffee und einem kleinen Buffet entstanden angeregte Gespräche über die Nominierten und die bevorstehende Entscheidung der Jury, und es bot sich Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch zwischen Kolleg:innen sowie Studierenden und Mitarbeitenden der EHB. Die Vorträge und Themen waren durchweg bemerkenswert und professionell, entsprechend herzlich fiel der lange Applaus des sehr wohlwollenden Publikums im Audimax aus. Auch unter den konkurrierenden Nominierten war die gegenseitige Unterstützung spürbar. Das Präsidium gratulierte allen Teilnehmenden und Gewinner:innen sehr herzlich und bedankte sich für die gute Organisation der Veranstaltung. Zum Ausklang gab es einen kleinen Sektempfang.
ehb.forscht: Seit 20 Jahren eine Plattform für wissenschaftlichen Austausch
Seit 20 Jahren eröffnet ehb.forscht Studierenden, Lehrenden und Expert:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen einen Raum für Austausch und Inspiration. Die diesjährigen Arbeiten reichten vom Hitzeschutz in der Pflege über die Bezahlkarte für Geflüchtete bis zur Feinfühligkeit von Fachkräften in der Krippe und zeigten, wie früh forschendes Arbeiten im Studium beginnt und wie praxisnah es sein kann.
Der Name des Hauptpreises verweist auf die Geschichte der Hochschule: Berta von der Schulenburg, genannt „die Gräfin“, war die erste Leiterin der Vorgängereinrichtung der EHB und leistete zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bahnbrechendes. Sie ermöglichte vor allem Frauen eine eigene Berufsausbildung in den Bereichen Soziale Arbeit und Pflege, in einer Zeit, in der weder die Berufsausbildung noch die Zulassung von Frauen zum Studium selbstverständlich war. Es gelang ihr, zwei von damals deutschlandweit nur 80 promovierten Medizinerinnen als Lehrende zu gewinnen. So wurde schon früh die Bedeutung wissenschaftsbasierter Kompetenz erkannt. 1933 wurde sie gezwungen, ihr Amt aufzugeben. Auch das gehört, wie der Präsident in seiner Begrüßung betonte, zur Geschichte der EHB. Mit ehb.forscht unterstreicht die Hochschule ihren Anspruch, gesellschaftlich relevante Fragen aufzugreifen und Studierende zu ermutigen, eigene Antworten zu entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt den Mitgliedern beider Jurys. Dem Team des Zentrums für Fort- und Weiterbildung (ZFW) danken wir für die großartige Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung.
Fotos: Sabine Widmaier und Sibylle Baluschek, HoKom/EHB
Die Jury des Gräfin von der Schulenburg-Preises
- Oberkirchenrätin Dr. Katrin Rudolph, Referatsleiterin im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) für den Bereich Pfarrpersonal und Ausbildung (Evangelische Religionspädagogik & Diakonik)
- Marlene Koch, Hebamme und Alumna der EHB (Hebammenwissenschaft)
- Laura Goossens, Referat für Pflegeentwicklung/Pflegedirektion, Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH (Bachelor of Nursing)
- Dr. Hanne Balzer, Leitung Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen (Soziale Arbeit)
- Prof. i. R. Dr. Susanne Viernickel, Pädagogik der frühen Kindheit, Universität Leipzig (Kindheitspädagogik)
Die Jury der Dietmar Freier Auslobung
- Medy Hartung, Vorstand der Dietmar Freier Stiftung
- Prof. Dr. Sebastian Schröer-Werner, Präsident der EHB
- Kai Beier, Lehrbeauftragter an der EHB, Autismus- und Inklusionsberater (Master Leitung – Bildung – Diversität)
- Dr. Steffen Amling, Forschungsreferent der EHB (Master Beratung in der Sozialen Arbeit)

Viola Strittmatter M. A.
PositionGeschäftsführung ZFW
Telefon +49 (0) 30 585985 616
E-Mail viola.strittmatter@eh-berlin.de
Ort/BüroEHB-Heimat 27, 1. OG, Raum G 202

Sibylle Baluschek M.A.
PositionReferentin für Hochschulkommunikation, Stabsstelle
Telefon +49 (0) 30 845 82 262
E-Mail sibylle.baluschek@eh-berlin.de
Ort/BüroA 109, A-Gebäude
SprechzeitenMontag bis Donnerstag ganztägig

















