Forschung & Kooperation

ORAS-Projekt an EHB abgeschlossen: Forschung zeigt deutlichen Handlungsbedarf bei Rassismus in der Schule

Wie gehen Schulen mit Beschwerden über Rassismus um – und was brauchen sie, um Betroffene wirklich zu schützen? Das Forschungsprojekt ORAS an der Evangelischen Hochschule Berlin hat drei Jahre lang an Berliner und Leipziger Schulen Antworten darauf gesucht. Die Ergebnisse zeigen deutlichen Handlungsbedarf.

Untertitel: Projektteam ORAS (Prof.in Dr. Juliane Karakayalı, Christina Biel, Cristina Raffaele) bei der Vorstellung der Projektergebnisse auf der WinRA-Ost-Tagung an der Hochschule Stendal (Quelle: privat)
Untertitel: Projektteam ORAS (Prof.in Dr. Juliane Karakayalı, Christina Biel, Cristina Raffaele) bei der Vorstellung der Projektergebnisse auf der WinRA-Ost-Tagung an der Hochschule Stendal (Quelle: privat)

Mit dem Abschluss des dreijährigen Forschungsprojekts ORAS – Organisation, Rassismus, Schule. Beschwerden über Rassismus in der Schule liegen nun umfassende Erkenntnisse darüber vor, wie Schulen auf Beschwerden über Rassismus reagieren und welche strukturellen Voraussetzungen sie benötigen, um diskriminierungssensibel handeln zu können. Seit 2023 wurden dafür 14 Grund- und weiterführende Schulen in Berlin und Leipzig untersucht und mehr als 100 Gespräche mit Schüler:innen, Lehrkräften, Schulleitungen, Schulsozialarbeitenden sowie Mitarbeitenden von Beratungsstellen geführt.

Das Projekt wurde über drei Jahre vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR; ehemals BMBF) gefördert und endet im Dezember 2025.

Zum Projektteam gehören: 

  • Prof.in Dr. Juliane Karakayalı (Projektleitung)
  • Christina Biel und Cristina Raffaele (wissenschaftliche Mitarbeiterinnen)
  • Agata Guevara, Holly Heinrich (studentische Mitarbeiterinnen)
  • Azize Ipek Ergün, Betül Can, Luljeta Basile (ehemalige studentische Mitarbeiterinnen)

Beschwerden über Rassismus sind vielfältig – und häufig folgenlos

In einer ersten Projektphase analysierte das Team Expert:innen-Interviews aus Beratungs- und Beschwerdestellen. Diese Außenperspektive zeigt ein breites Spektrum an Beschwerden – von rassistischem Mobbing unter Schüler:innen über Konflikte zum Tragen des Kopftuchs bis hin zu Lehrmaterialien mit rassistischen Darstellungen. Besonders häufig beziehen sich Beschwerden auf rassistisches Verhalten von Lehrkräften. Zudem erleben Betroffene immer wieder, dass ihre Hinweise abgewehrt oder relativiert werden.

Innenperspektive Schule: Wissen ist vorhanden – Strukturen fehlen

In Gruppendiskussionen und Interviews mit schulischen Akteur:innen wurde anschließend die interne Perspektive untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Zwar gibt es vielerorts ein Bewusstsein für Rassismus, doch es fehlt an gemeinsamen Strategien, klaren Zuständigkeiten und verbindlichen Verfahren. Beschwerden werden oft aus Unsicherheit, Zeitdruck oder fehlender Expertise nicht angemessen bearbeitet.
Existierende schulische Antidiskriminierungsstellen, sind häufig personengebunden, ohne rechtliche Befugnisse und wenig sichtbar. Für Schüler:innen bedeutet das: Beschwerden verlaufen häufig im Sande oder werden bagatellisiert – in manchen Fällen sogar gegen die Beschwerdeführenden gewendet.

„Unsere zentrale Erkenntnis lautet: Ohne klare bildungspolitische Vorgaben, verbindliche Strukturen und qualifiziertes Personal kann Schule ihrem Auftrag als diskriminierungsfreier Lernort nicht gerecht werden“, fasst Prof.in Dr. Juliane Karakayalı, Projektleiterin von ORAS, zusammen. „Unsere Forschung zeigt, dass Beschwerden über Rassismus zwar häufig sind, aber oft ins Leere laufen. Schulen fehlt es an klaren Verfahren und gut sichtbaren Ansprechpersonen. Um Betroffene wirksam zu unterstützen, brauchen Schulen nachvollziehbare Beschwerdewege und verlässliche Zuständigkeiten – nicht allein das Engagement Einzelner.“

Transfer in Praxis und Forschung: Abschlusstagung und Veröffentlichungen

Ein Höhepunkt der Projektlaufzeit war die Abschlusstagung vom 18. Juli 2025 mit über 40 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Schule und Fachpraxis. Unter dem Titel "Konjunkturen des Rassismus und Antisemitismus in der Schule" wurden aktuelle Forschungsstände und Herausforderungen der pädagogischen Praxis diskutiert.

Zum Projektabschluss stellt ORAS seine Ergebnisse in Wissenschaft, politischer Bildung und an den teilnehmenden Schulen vor. Bereits erschienen bzw. veröffentlicht sind:

  • eine Handreichung zur diskriminierungs- und rassismussensiblen Reflexion schulischer Routinen
  • ein umfassender Projektbericht (Veröffentlichung in Kürze)
  • Transferformate für Schulen, Beratungsstellen und freie Bildungsträger
  • internationale Fachbeiträge in Zeitschriften, Sammelbänden und auf Tagungen

Einige Materialien sind über die Projektseite abrufbar (siehe Link unten).

Prof. Dr. phil. Juliane Karakayali

Position Professur für Soziologie

Telefon +49 (0) 30 845 82 219

E-Mail juliane.karakayali@eh-berlin.de

Ort/Büro A-Gebäude, Raum A 206

Sprechzeiten nach Vereinbarung

Sibylle Baluschek, M.A.

Position Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Stabsstelle

Telefon +49 (0) 30 845 82 262

E-Mail sibylle.baluschek@eh-berlin.de

Ort/Büro A 109, A-Gebäude

Sprechzeiten Montag bis Donnerstag ganztägig

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