Hochschulische Veranstaltungen

Brücken bauen in Zeiten der Gewalt – "Parents Circle Families Forum" zu Gast an der EHB

Die EHB lud am 4. Dezember die israelisch-palästinensische Organisation "Parents Circle – Families Forum" (PCFF) zu einer dialogischen Veranstaltung ins Audimax ein. Es war der dritte Teil der Veranstaltungsreihe zu Israel und Palästina, die die Hochschulleitung im Wintersemester 2025/26 organisiert hat.

Referentinnen von Parents Circle – Families Forum im Audimax: Vared Berman auf dem Podium und Laila Al-Sheikh (online zugeschaltet aus Bethlehem/Palästina). Foto:EHB
Referentinnen von Parents Circle – Families Forum im Audimax: Vared Berman auf dem Podium und Laila Al-Sheikh (online zugeschaltet aus Bethlehem/Palästina). Foto:EHB

Die Referentinnen, die Israelin Vered Berman und die Palästinenserin Laila Al-Sheikh, gaben eindrucksvolle Einblicke in ihre persönlichen Schicksale und ihre Arbeit für Versöhnung und Frieden. 
Vered Berman, seit drei Jahren Mitglied bei PCFF, verlor 2023 ihre Mutter bei einem Selbstmordattentat in Israel, kurz nachdem sie nach Berlin gezogen war. Sie ist Mutter von drei Kindern und engagiert sich aktiv für den Dialog zwischen Israelis und Palästinensern.
Laila Al-Sheikh verlor 2002 ihren sechs Monate alten Sohn, nachdem er Tränengas eingeatmet hatte und sie stundenlang an einem Kontrollposten festgehalten wurde. Seitdem setzt sie ihre Energie für eine bessere und friedlichere Zukunft ihrer Kinder ein.

Die Referentinnen gewährten einen sehr persönlichen Einblick in ihre Kindheit, ihre Erfahrungen von Verlust sowie in ihre Motivation, sich im Parents Circle – Families Forum zu engagieren. Im PCFF haben sich inzwischen fast 800 Familien zusammengeschlossen, die Angehörige im Konflikt oder Krieg verloren haben. Statt Hass und Vergeltung zu nähren, setzen die Mitglieder auf Begegnung, Dialog und Versöhnung – selbst in Zeiten von Gewalt und gesellschaftlicher Spaltung.

Rund 40 Mitglieder der EHB nahmen an dem Austausch teil und stellten Fragen, unter anderem zur Reaktion von Laylas Familie auf ihr Engagement nach den Anschlägen im Oktober 2023 und dem Krieg in Gaza. Laila war per Zoom zugeschaltet. Berman betonte, dass ihre Arbeit als Friedensaktivistin sowohl politisch motiviert sei als auch aus dem persönlichen Verlust heraus, den sie erlebt habe.

Im Gespräch wurde deutlich: Der Fokus der Organisation liegt auf Zuhören, Annäherung und respektvollem Miteinander. Ziel ist es, den Krieg und die Besatzung zu beenden und eine gerechte Zukunft für alle Menschen in der Region auf Augenhöhe zu ermöglichen. Dafür organisieren und finanzieren sie interkulturelle Dialog-Workshops - und Projekte, u. a. auch als Konfliklösungsansatz in Deutschland.
Auf die Frage, ob die Organisation den Krieg in Gaza als Genozid sehe, antwortete die Referentin Berman zurückhaltend: Begriffsdebatten seien nicht zielführend, stattdessen gelte es, über Dialog und Verständnis zu einer Lösung zu gelangen.
Auf Nachfrage nach Literaturempfehlungen verwiesen die Referentinnen auf zwei Bücher mit Stimmen israelischer und palästinensischer Autor:innen: „The Listener from the Heart“ und „Die Geschichte des Anderen Kennenlernen“. Beide Werke beleuchten die Perspektiven der verschiedenen Konfliktparteien und zeigen Wege zur Versöhnung auf. 

Die Veranstaltung schloss mit einem bewegenden Zitat eines PCFF-Weggefährten: „We’re building a bridge over a river of blood so that our children could cross the bridge.“

Herzlichen Dank an Vered Berman und Laila Al-Sheikh für das Teilen ihrer sehr persönlichen Geschichten und ihren unermüdlichen Einsatz. Ihr Mut und ihre Hoffnung machen deutlich: Frieden, Verständnis und Menschlichkeit sind möglich.

Über PCFF:

  • Gegründet 1995, vereint die Organisation rund 750 Familien aus Israel und Palästina, die Angehörige im Konflikt verloren haben.
  • PCFF organisiert Bildungsprogramme, Dialogtreffen und Gedenkveranstaltungen und erhielt 2025 den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.
  • Ziel ist es, Empathie, Verständigung und Friedensbildung zu fördern – insbesondere unter jungen Menschen.
  • Zusätzlich gibt es Freundeskreise von Parents Circle (Parents Circle Friends) in USA, Deutschland und Großbritannien, die die Arbeit der Organisation international unterstützen und auf Dialog und Bildungsarbeit aufmerksam machen.

 

Prof.in Dr. Lena Kreck

Position Professur für Recht und Gesellschaft

Telefon +49 (0) 30 845 82 242

E-Mail lena.kreck@eh-berlin.de

Ort/Büro A 201, A-Gebäude

Sibylle Baluschek, M.A.

Position Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Stabsstelle

Telefon +49 (0) 30 845 82 262

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Sprechzeiten Montag bis Donnerstag ganztägig

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