Evangelische Fachhochschule Berlin

Hochschulleitung

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Jahresberichte der Hochschule

Aus dem Jahresbericht 2017/2018

(...) Sicherlich war 2017 geprägt vom 500. Reformationsjahr. Die EHB hatte die Ehre, den Stand der Evangelischen Hochschulen Deutschlands maßgeblich mit zu organisieren (...)
Als Evangelische Hochschule sollten wir der Reformation in zweierlei Hinsicht gedenken. Einerseits muss man den Mut der Reformator_ innen bewundern, mit dem sie mit jahrhundertelangen Traditionen und Vorstellungen gebrochen haben. Dass die Kritik an und der Bruch mit der katholischen Kirche lebensgefährlich sein konnte, war spätestens seit der Verbrennung von Jan Hus allen Reformator_innen präsent. Die Besinnung auf den eigenen Verstand, die durch Übersetzung und Buchdruck ermöglichte individuelle Auseinandersetzung mit der Schrift, die Schulung der Argumentation und des kritischen Denkens führten zu einem viel breiteren Wunsch nach Bildung und Diskussion, als in den Jahren zuvor. (...)
Andererseits führt Mut auch leicht zu Übermut. Sich in einer Zeit von festgefahrenen Denktraditionen und vom Aberglauben frei zu machen, in der das Fegefeuer als eine reale Bedrohung angesehen wurde, erfordert einen Mut, der keinen Zweifel erlaubt – auch wenn der Zweifel als „Bruder des Glaubens“ bezeichnet wird. Insofern sind zweifelnde Reformator_innen offiziell eher eine Seltenheit. (...)

In unserer Arbeit in Lehre, Forschung und Transfer wünsche ich uns viel Mut: Wir sollten frei von Traditionen und Denkverboten denken und diskutieren, nach kreativen Wegen und Lösungen suchen und die Wissenschaft in den Dienst von Erkenntnis und gesellschaftlichem Nutzen stellen. Wir sollten uns mutig gegen Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit wehren, die derzeit in einigen Ländern zu beklagen sind und populistischen Radikalisierungen mit durch-dachten und klaren Argumenten entgegentreten. Allerdings wünsche ich mir keinen Übermut, sondern Demut: Demut vor der Begrenztheit menschlichen Wissens, vor der Fehlbarkeit des eigenen Denkens und Handelns, vor der Unmöglichkeit, allen berechtigten Anliegen gleichermaßen gerecht zu werden. Die Demut soll nicht lähmen, sondern vor Selbstgerechtigkeit schützen und zum Respekt vor anderen Ansichten und Meinungen führen. (...)

[Auszüge aus dem Editorial des Rektors, Prof. Dr. Anusheh Rafi]

Die Berichte des Rektorats werden im jährlichen Intervall ergänzt. Über die Übersicht auf der rechten Seite können Sie sich den aktuellen sowie die Jahresberichte der vergangenen Jahre herunterladen.

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