Evangelische Fachhochschule Berlin

Nacht der Solidarität 2020

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Nacht der Solidarität 2020

Merch für die Nacht der Solidarität

Ein Blick zurück auf die Nacht der Solidarität

In Berlin wurde am 29. Janaur 2020 die erste Nacht der Solidarität durchgeführt. Die nächtliche Stichtagszählung ist ein sichtbarer Baustein zur von sozialen Diensten seit langem geforderten Erhebung von Bedarfen obdachloser und wohnungsloser Menschen. Das Projekt ist, neben der gesamtstädtischen Steuerung der Unterbringung und der Angebotsausweitung, Teil des Gesamtkonzepts (Leitlinien der Wohnungslosenhilfe und -politik).

Nach dem Vorbild New Yorks und Paris‘ wurden im Zeitraum von 22.00 bis 1.00 Uhr von 608 Teams stadtweit Stadtteilbegehungen durchgeführt. 62 dezentrale Zählbüros fungierten als Anlaufstelle. Die EHB war, neben vielen Nachbarschaftszentren, der ASH und der KHSB, eines davon.
Vom Zählbüro der EHB aus starteten 65 Freiwillige in 15 Zählteams. Nach der Rückkehr der Freiwilligen gab es einen Erfahrungsaustausch, um 1.30 Uhr war die Aktion an der EHB beendet. Es wurden fünf obdachlose Menschen angetroffen, drei davon füllten den Fragebogen aus und erzählten den Freiwilligen darüber hinaus von ihrem täglichen Leben.

Pilotpropjekt bewegte die Menschen der Stadt

Das Pilotprojekt, künftig sind Erhebungen in 1,5jährigem Abstand geplant, um auch die Sommermonate zu berücksichtigen, hat die Stadt bewegt. Viele Berliner*innen haben sich bereit erklärt, die Aktion als Freiwillige zu unterstützen. Viele Menschen haben sich über das Thema Wohnungslosigkeit unterhalten und mehr über die Situation Betroffener erfahren. Es gab Themenveranstaltungen, z. B. in Nachbarschaftshäusern, aber auch Kritik, z. B. die Mahnwache vor dem Roten Rathaus, die von der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen organisiert wurde.

Die Zahl wohnungsloser Menschen ist in den letzten Jahren, Schätzungen zufolge, gestiegen. Mit dem bestehenden Hilfesystem werden längst nicht alle Menschen erreicht bzw. angemessen versorgt. In der Berliner Wohnungs(losen)politik gab es in den letzten Jahren große Versäumnisse.

Die Nacht der Solidarität hat den Aufschlag gemacht, diese Dinge anzugehen. Die Aktion war umsichtig geplant. Es wurde versucht, Fachleute, Betroffene und die Berliner*innen einzubinden. Kritisiert wurde u. a. dass die Straßenzählung von wohnungslosen Menschen bedrohlich empfunden werden könne, außerdem wurde die Effektivität angezweifelt. Es ist wichtig, die geäußerte Kritik bei der Planung der nächsten Erhebung zu berücksichtigen.

So ist unter anderem zu fragen:

  • Inwieweit wird die Methodik der Datenerhebung der Zielgruppe, insbesondere den teils vulnerablen oder illegalisierten Personen, und dem Kontext „Berlin“ gerecht?
  • Wie kann eine Beteiligung wohnungsloser Menschen in ausreichendem und angemessenem Rahmen stattfinden?

Prof. Dr. Anusheh Rafi, Rektor der EHB: "Als SAGE-Hochschule war es für uns selbstverständlich, uns an der Nacht der Solidarität zu beteiligen. In dieser Nacht wurde die Notlage vieler Menschen in Berlin verdeutlicht. Bei aller teils wichtiger Kritik an der Zählung wäre der Verzicht darauf deutlich schlimmer.“

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Statistische Daten

2.601 Freiwillige
1.967 wohnungslose Menschen, 807 davon auf der Straße

Fragebögen (n=288):

  • 56% 30 und 49 Jahre alt
  • 84% männlich
  • 49% aus EU-Staaten
  • 47% seit > 3 Jahren keine Wohnung
  • 41% alleinstehend
  • 67% innerhalb des S-Bahnrings