Evangelische Fachhochschule Berlin

Pressemeldung 22. November 2018

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Einleiten oder abwarten? Studiengang Hebammenkunde gewinnt Hochschulpreis der EHB

© EHB. Das Foto zeigt die Gewinnerin des diesjährigen "Gräfin von der Schulenburg-Preis", Kerstin Müller, mit ihrer Betreuerin, Prof. Dr. Julia Leinweber, Studiengang Hebammenkunde, (rechts) und Jurorin Dipl. Psych. Simone Kirchner (links).

Kerstin Müller, B. Sc., Absolventin aus der Hebammenkunde, gewinnt den diesjährigen "Gräfin von der Schulenburg-Preis" der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) für die Präsentation ihrer Forschungsarbeit "Outcome bei Terminüberschreitung bei physiologischer Schwangerschaft – Abwartendes Verhalten im Vergleich zur Geburtseinleitung."

In diesem Jahr geht der begehrte mit 800 EUR dotierte Hochschulpreis an Kerstin Müller, Absolventin des dualen Studiengangs Hebammenkunde, für die überzeugende Präsentation ihrer Abschlussarbeit mit dem Thema: "Outcome bei Terminüberschreitung bei physiologischer Schwangerschaft – Abwartendes Verhalten im Vergleich zur Geburtseinleitung." Am Donnerstag, 22. November 2018, setzte sie sich im Audimax der Hochschule gegen ihre Mitbewerber_innen auf dem Podium durch. Alle sechs Vorträge der nominierten Absolvent_innen aus den BA-Studiengängen zeichneten sich durch eine hohe Qualität aus. Dennoch war die Entscheidung der Juror_innen eindeutig: Die Referentin Kerstin Müller überzeugte klar durch einen gut strukturierten, wissenschaftlich fundierten und trotz der Komplexität des Themas, lebendigen Vortrag.

Kerstin Müller untersuchte in ihrer Forschungsarbeit die gängige Praxis der Geburtseinleitung unter Berücksichtigung von mütterlichem und kindlichem Outcome. Sie stellte die Frage, ob die medizinisch indizierte Geburtseinleitung ab der 41. Schwangerschaftswoche wirklich routinemäßig erfolgen muss und tatsächlich dem abwartenden Verhalten vorzuziehen ist. In ihrem Vortrag fokussierte sie dabei auf zwei von insgesamt neun Parameter: die Mortalitätsrate des Kindes und das subjektive Empfinden der Mutter. In beiden Fällen konnte sie in ihrer empirischen Arbeit keinen wirklichen Vorteil zugunsten der Geburtseinleitung analysieren. So konnte die Todesursache der Kinder häufig nicht einzig auf die Terminüberschreitung in der Schwangerschaft zurückgeführt werden, da andere, vorher nicht bekannte Fehlbildungen oder Komplikationen bei der Geburt dazukamen.
Dabei verwies die Autorin auf nicht aktuelle Sekundärdaten zu diesem Thema sowie fragliche risikoarme Studienpopularität. Statistisch hat sich die Zahl der Geburtseinleitungen in den letzten 20 Jahren zwar verdoppelt, die Mortalitätsrate der Kinder blieb aber gleich. Zudem fühlten sich die werdenden Mütter in ihrem subjektiven Erleben bei einer Terminüberschreitung vom Fachpersonal oft verunsichert. Hier sei eine Weiterentwicklung der frauenorientierten Betreuung angezeigt. Im Fazit bestehe daher weiterhin ein großer Bedarf in aktueller qualitativer und quantitativer Forschung. Dabei kommt der Etablierung von Forschung durch Hebammenwissenschaftler_innen eine besondere Bedeutung zu.

© EHB. Das Foto zeigt die sechs nominierten Absolvent_innen nach der Preisverleihung.

Dies betonte auch die Laudatorin, Prof. Dr. Julia Leinweber, die die Arbeit wissenschaftlich betreute. Kerstin Müller habe in ihrer Forschungsarbeit eine gute Übersicht der aktuellen Literatur zum Thema "Überschreiten des errechneten Geburtstermins bzw. die Konsequenzen von Interventionen" erarbeitet. Das Thema sei sehr komplex und es brauche einiges an Statistikverständnis, um die Fachartikel auszuwerten. Kerstin Müller, die nach drei Jahren Hebammentätigkeit in der Praxis noch einmal als Quereinsteigerin einen Bachelorabschluss als Hebamme absolvierte, habe sich von Anfang an als sehr zielstrebig ausgezeichnet und auch bei schwierigen Aufgaben Durchhaltevermögen bewiesen. "Optimale Fürsorge für Mutter und Kind sind das Ziel aller Hebammenarbeit", schloss Professorin Dr. Leinweber in ihrer Laudatio. "Herauszufinden, wie wir dieses Ziel erreichen, ist die Aufgabe der Hebammenwissenschaft. Ihre Arbeit leistet hierzu einen soliden Beitrag."

Bereits zum 12. Mal verleiht die Evangelische Hochschule Berlin den "Gräfin von der Schulenburg-Preis“ für die beste Präsentation einer Bachelorarbeit des Jahrgangs. Absolvent_innen aus den sechs BA-Studiengängen der Hochschule stellen sich Jury und Publikum in einem spannenden Contest. Nur zehn knappe Minuten haben sie Zeit, um ihre Arbeiten einem sehr heterogenen Publikum verständlich und unterhaltsam zu präsentieren – eine große Herausforderung angesichts der komplexen wissenschaftlichen Themen, die in ihren Forschungsarbeiten behandelt werden. Seit 2007 findet dies im Rahmen der hochschulweiten Veranstaltung ehb.forscht statt. Im Rahmen des „Gräfin von der Schulenburg-Preises“ ermöglicht die Hochschule dem/der Gewinner_in auch die Online-Veröffentlichung der Forschungsarbeit und damit einem breiten Fachpublikum den Zugang.

EHB | Pressemeldung vom 22. November 2018

 

 

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Zur Person: Kerstin Müller, Bachelor of Science in Hebammenwissenschaft 2018

Von 2010 bis 2013 absolvierte Kerstin Müller die Ausbildung zur staatlich anerkannten Hebamme. Danach dreijährige Tätigkeit in der Praxis. Von 2016 bis 2018 folgte das Studium im Studiengang Hebammenkunde, B. Sc. of Midwifery an der EHB. Thema der BA-Thesis: Outcome bei Terminüberschreitung bei physiologischer Schwangerschaft – Abwartendes Verhalten im Vergleich zur Geburtseinleitung.
Die Absolventin arbeitet seit August dieses Jahres als freiberufliche Hebamme im Geburtshaus Charlottenburg. Als Option für die Zukunft sieht sie ggf. ein weiterführendes Masterstudium in Hebammenwissenschaften, sollte dies mittelfristig angeboten werden.

Zum Studiengang Hebammenkunde:

Seit dem Wintersemester 2013 besteht die Möglichkeit, an der EHB im dualen Bachelor Studiengang Hebammenkunde zu studieren. Obligatorisch dafür ist der Abschluss eines Ausbildungsvertrages mit der Schule für Gesundheitsberufe Berlin am St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof. Bewerbungen hierfür sind möglich vom 1. März bis 30. April für das jeweils darauffolgende Wintersemester (Beginn Ende September/Anfang Oktober):

Kontakt: Schule für Gesundheitsberufe Berlin GmbH, Fachbereich Hebammenkunde, am St. Joseph Krankenhaus, Wüsthoffstraße 15 in 12101 Berlin Tempelhof

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